Prokastination – oder warum wir so viel aufschieben.

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Wir schieben Manches auf, legen es zur Seite, stapeln es auf den To-Do-Stapel oben drauf, vergessen es ab und an, fangen dann wieder an daran zu arbeiten, um es erneut beiseite zu legen. Es gibt ja noch so viel Anderes zu tun. Den Schreibtisch aufräumen beispielsweise oder die Kontakte neu sortieren, ach, und das Pflegen des Terminkalenders, nicht zu vergessen…

Prokastination wird dies genannt, eine Zusammensetzung aus den lateinischen Wörtern „Pro“ (für) und „Cras“ (morgen). Wer prokastiniert, verschiebt also Dinge auf morgen oder noch weiter.

Gerne redet man es sich schön, frei nach dem Motto „Ohne Druck kann ich nicht arbeiten!“. Aber dass das nicht immer stimmt, wissen wir doch alle.

Auch schon vor rund 2000 Jahren war dieses Problem bekannt und der Philosoph Cicero warnte vor „Verzögerung und Aufschub“. Auch der griechische Dichter Hesiod mahnte das Aufschieben, da sonst Armut und Niedergang drohten.

Prokastination gilt heute längst nicht mehr als bloße Disziplinschwäche, sondern wird als ernst zu nehmendes psychisches Problem behandelt. Psychologen und Neurowissenschaftler wollen verstehen, warum wir aufschieben.

Ein Symptom, dass sich „inkonsistente Zeitpräferenzen“ nennt steckt dahinter. Ein Experiment, dass 1994 von der Washington-Universität in St.Louis durchgeführt wurde, bringt ein wenig Licht ins Dunkle.

Hier wurden 24 Studenten vor eine schwere Entscheidung gestellt. Sie konnten wählen, ob sie sofort 20 Dollar mitnehmen oder 3 Monate warten, um dann 50 Dollar bekommen zu können. Fast alle wählten den kleineren Betrag, da er sofort ausgezahlt wurde.

In der zweiten Runde wurde das Ganze etwas modifiziert. Die Studenten konnten wählen zwischen 20 Dollar in 3 Monaten oder 50 Dollar in 6 Monaten. Der zeitliche Abstand blieb also der Gleiche, nur dass nun in jedem Fall gewartet werden musste.

Wenig überraschend: plötzlich waren deutlich mehr Personen bereit zu warten, bis sie 50 Dollar bekamen. Was man sofort bekommen kann, wird oft höher bewertet, als eine Sache, auf die man warten muss. Muss man allerdings ohnehin warten, fallen ein paar Tage mehr nicht ins Gewicht.

Dies ist auch bei unangenehmen Dingen der Fall. Diese erscheinen weniger schlimm, wenn sie erst in einiger Zeit anstehen und werden darum nicht sofort angepackt.

Körperliche und psychische Folgen bleiben dabei oft nicht aus. Muskelverspannungen, innere Unruhe oder auch Schlafstörungen können die Folge sein. Darüber hinaus ist  das Risiko einer Depression zu erliegen deutlich höher.

Mittlerweile gibt es an einigen Universitäten sogenannten „Prokastinations-Ambulanzen“, die Studenten helfen sollen, rechtzeitig anzufangen mit einer Aufgabe.

Es gibt aber auch schon kleinere Dinge, die helfen können – so beispielsweise das Einführen eines Rituals, das man immer dann durchführt, wenn man anfangen möchte, zu arbeiten. Das kann ein Spaziergang sein oder ein paar Gymnastikübungen oder auch eine Tasse Kaffee. Wichtig ist nur, dass dieses Ritual nicht länger als 15 Minuten andauert.

Ab und an hat das Aufschieben aber auch etwas Gutes. Im kreativen Arbeiten z.B. – hier ist manchmal nicht zwingend die erste Idee, die die Beste ist, sondern oft auch die Idee, die einen etwas längeren Denkprozess und Pausen mit sich brachte.

 

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